Wein aus Apulien, Kalabrien, Basilikata – Italiens heißer Süden!

Zugegeben, es war nicht Liebe auf den ersten Blick, als wir in Apulien landeten. Nach Übernahme unseres Mietwagens am Flughafen Bari benötigten wir doch einige Momente, uns auf das deutlich andere Verhalten im Straßenverkehr einzustellen. Aber nach ein paar Stunden betrachteten auch wir Fahrbahnmarkierungen, Verkehrsregeln und -schilder sowie rote Ampeln nur noch als „wohl gemeinte Empfehlungen“, keinesfalls jedoch mehr als strikt einzuhaltende Regeln. Dies wohlbehalten zu überstehen, ist allerdings eher ein gemächliches Tempo empfohlen. Auch die wilde Bebauung und der Umgang mit Müll ist gewöhnungsbedürftig.

 

Wir reisten zunächst gen Norden und umfuhren die Halbinsel Gargano. Schöne Küste, nette Ortschaften mit richtig stimmungsvollen Trattorien und Weinbars.

Dann ging es weiter in die Region Basilikata. Das Weinbaugebiet Basilikata ist die Heimat des Aglianico, einer der hochkarätigsten roten Rebsorten Italiens. Und die Zone der besten Aglianicos ist die Südflanke des erloschenen Vulkans Monte Vulture. Sehenswert übrigens die Fahrt durch den Vulkankrater. Zunächst planten wir in dem im Vulkankrater gelegenen Hotel zu nächtigen. Aber als einzige Gäste? Nee, danke! „Shining lässt grüßen“. Also weiter in einen alten Palazzo in Rionero del Vulture mitten im Weinbaugebiet. Die Weine von hier tragen die Bezeichnung „Aglianico del Vulture DOC“. Und…wir mögen Aglianico.

Weiterfahrt an den Golf von Policastro. Wunderbare Küste…

Dann wieder zurück quer durch Kalabrien auf der Suche nach dem besten Weingut Kalabriens. Kalabrien ist echt anders … wild, unkonventionell, authentisch.

Am Ende unserer Suche haben uns persönlich die Weine der Tenuta Iuzzolini aus Ciro Marina am besten gefallen.
Sehr nett, dass das Oberhaupt der Familie Iuzzolini einige Jahre im Raum Stuttgart lebte und daher perfekt schwäbisch spricht. Er hat sich in seiner Heimat den Traum vom eigenen Weingut erfüllt, und sein Sohn Pasquale ist ein begnadeter Winzer mit immer neuen innovativen Ideen. So produziert er beispielsweise den Maradea, einen Ciro Classico Reserva DOC. Der Wein stammt aus eigenen Rebgärten mit der autochtonen Gaglipporebe. Der Wein wird in selbst gebauten Fässern aus Kastanienholz ausgebaut. Konsequenterweise stammen die Kastanien aus eigenem Besitz. Ein komplett autochtoner Wein sozusagen … und so was mögen wir…
Aber uns hat die gesamte Kollektion des Weingutes Iuzzolini überzeugt. Der weiße Ciró aus der Rebsorte Greco vereint Frucht und Würze genauso wie der Ciró rosato aus der Rebsorte Gaglioppo. Beide Weine durften ganz kurze Zeit im Holzfass verbringen, daher die ganz dezenten Würznoten. Der rote Ciró ist ebenfalls aus Gaglioppo und ein wunderbarer Rotwein mit Charakter zum Preis eines Alltagsweines. Auch nicht schlecht! Ok, Mission in Kalabrien erfüllt … weiter gehts – zurück nach Apulien. => Alle Weine von Iuzzolini in unserem Shop

Sehenswert ist der Touristenmagnet, die Höhlenstadt Matera. Oder die typischen Trulli. Oder die Küstenorte wie Otranto. Aber unbedingt zur Nachahmung empfehlen wir ein Mittagessen in einem der vielen typischen Seafood Restaurants in Taranto – genial!
Und nicht zu vergessen ein Abendspaziergang durch die Altstadt von Galipoli, der Inselstadt. Unbedingt übernachten und essen. Das hat richtig schöne, echte Atmosphäre.

Und jetzt gehts endlich in die Weinbaugebiete, schließlich ist das der Grund unserer Reise: Wir wollen Primitivo. Und wir suchen wie immer den Besten. Dabei haben wir zahlreiche empfohlene Weingüter besucht. Und wurden nicht fündig. Nach Tagen erfolglosen Suchens beschlossen wir, uns einen schönen Abend in Lecce zu machen. Schöne Stadt. Wir fanden ein stylisches Hotel in einem alten Palazzo. Sensationell. Dort empfahl man uns ein Lokal: Die „Osteria degli Spiriti“! Und wie der Zufall so will, ist dieses Lokal der Knaller. Tolles, schlichtes, hochwertiges Essen und die vielleicht beste Weinkarte Süditaliens. Mit schätzungsweise 40 verschiedenen apulischen Winzern. Wir wählten einen Wein, des einzigen Weinguts, von dem wir zuvor noch nichts gehört hatten: Cantine Menhir! Und plötzlich war unser Problem gelöst. Wir hatten den besten Primitivo unserer Reise im Glas, den Primitivo di Manduria DOC. Und einen wunderbaren Abend. Seitdem haben wir die Weine dieser Kellerei im Programm. Und unsere Kundschaft liebt diese dunklen, aromatischen, weichen, kraftvollen Weine… Besonders der Primitivo Quota 29 erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit. Aber auch der würzige Negroamaro N° ZERO, der urwüchsige Salice Salentino, der voluminöse Pietra und nicht zuletzt der Primitivo CalaMuri, das Flaggschiff des Hauses Menhir. => Alle Weine von Menhir in unserem Shop

All dies unternahmen wir – vor 2020 – außerhalb der Sommerferien. Das ist sehr empfehlenswert, da wir oft für uns waren. Wir umrundeten die Küstenlinie Apuliens einmal, entdeckten Bausünden und tolle Ortschaften. Müllkippen und phantastische Plätze. Einsame Buchten und zugemüllte Ministrände. Und viele nette Menschen. Und tolle Lokale. Und geniale Unterkünfte. Und verliebten uns in dieses andere Stück Italiens.

Inzwischen bitten uns unsere Stammkunden für sie weitere interessante Weine aus Apulien zu suchen. Dem gehen wir liebend gern nach. Dabei hat uns ein Wein von Cantolio, der Kooperative aus der Primitivo-Hauptstadt Manduria absolut umgehauen. Der Primitivo Urceus ist genau so, wie wir uns den perfekten Primitivo vorstellen: tiefdunkel im Glas, intensives Bouquet von schwarzen Früchten, aber veredelt durch feine Gewürznoten. Am Gaumen kraftvoll, aber doch sehr elegant. Genialer Wein für vergleichsweise kleines Geld. 

 

Die Tenute Rubino ist ein weiterer, heller Stern am apulischen Weinhimmel. Im heißen Süden des Salento wird aus den Rebsorten Primitivo,  Negroamaro und Susumaniello eine Kollektion von richtig guten Rotweinen gekeltert!

 

Inzwischen haben wir einen weiteren Partner gefunden, der umwerfende Primitivo-Weine produziert: Die Tenuta Patruno Perniola. Ein ganz spezielles, kleines, feines Weingut. Die Weine von Paolo Patruno haben uns so begeistert, dass wir nicht widerstehen konnten.

Was macht die Weine aus? Das Gebiet Goia di Colle liegt westlich von Bari im Zentrum Apuliens. Die Rebgärten liegen mit 400 m über Meeresspiegel deutlich höher als die bekannten Primitivo Regionen im Süden, die oftmals quasi auf Meereshöhe liegen. In Goia di Colle ist Weinbau sehr mühsam. Die Rebgärten sind steinig, was die Bodenarbeit erschwert. Die roten Böden sind karg und doch voller Mineralien.

Aufgrund der Bodenbeschaffenheiten sind die Weine von Paolo Patruno mineralisch, fein, frisch und elegant. Keine Bange – es sind immer noch Primitivo-Weine, mit all den Stärken wie intensiver Frucht und weichen Tanninen. Aber mit doch einer deutlich feineren Charakteristik. Für Primitivo-Liebhaber genau so wie für Freunde traditioneller Rotweine eine spannende Neuentdeckung!

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